Guten Tag,
als Kandidat für die Bundestagswahlen 2017, freue ich mich, mich, wie meine persönlichen Ziele und meine politische Ausrichtung, im Folgenden kurz vorstellen zu dürfen. Mein Name ist Maximilian Möhring, ich bin 26 Jahre alt, wohne im wunderschönen Stolberg und kandidiere für den Wahlkreis 88 Aachen II.
Die Piratenpartei ist meine politische Heimat, weil diese als einzige Partei mein Idealbild einer Demokratie in vollem Umfang verkörpert und bereits im kleinen Rahmen lebt. Jeder Bürger hat hier, durch das hohe Maß an Transparenz und unserem persönlichen Bedürfnis eine tatsächliche, direkte Vertretung für den Bürger in der Politik zu sein, die Möglichkeit an den Fraktionssitzungen teilzunehmen, persönliche wie allgemeine Interessen und Anliegen dar zu legen oder gar über „OpenAntrag“ direkt einen Antrag über die PIRATEN im Rat zu stellen. Darüber hinaus stimmen die PIRATEN nicht in einer Fraktionsdisziplin ab und verpflichten somit keinen Mandatsträger gegen sein eigenes Gewissen zu stimmen, um die Mehrheiten halten zu können, sondern geben diesen die Möglichkeit aus dem Gewissen heraus zu entscheiden, aus welchem ihn die Bürger in den Rat gewählt haben.
Mit genau diesem persönlichen Gewissen möchte ich mich für eine individuumsfreundlichere und kompetenzorientiertere Bildungspolitik einsetzen und das Schulsystem an den Interessen der Schüler orientiert komplett reformieren, den öffentlichen Nahverkehr von der Notwendigkeit Profit zu generieren erlösen und diesen auch in ländlichen Gebieten höher Frequentieren, somit dauerhaft durch permanente und allumfassende Netzabdeckung, wie Kostenfreiheit für jeden attraktiv und erschwinglich gestalten. Darüber hinaus möchte ich mich für mehr Bürgerbeteiligung und mehr Elemente einer tatsächlichen, direkten Demokratie einsetzen, ich möchte jedem Bürger die Möglichkeit geben, die Dinge die Ihn betreffen auch unmittelbar mit zu entscheiden und dies nicht nur alle 4 Jahre durch einen Wahlzettel indirekt, minimal lenken zu können. Auch werde ich mich für die Freiheit der Bürger einsetzen, welche durch die Tendenz zu immer paranoideren Überwachungssystemen und dem schlussendlichen gläsernen Bürger akut gefährdet ist. Aus meiner Perspektive bedarf es der gegenteiligen Entwicklung und somit eines gläsernen Staates, der für jeden Menschen, der diesen mitfinanziert und von dessen Entscheidungen betroffen ist, auch nach vollziehen und mitgestalten kann, während es für den Bürger der Möglichkeit bedarf seine Privatsphäre nach dem eigenen Ermessen zu schützen.
Ich hoffe hiermit einen groben Überblick über meine politischen Ansichten geben zu können und freue mich jederzeit über konkrete Rückfragen.

Onlineversand für lokalen Einzelhandel

In Stolberg verliert der Einzelhandel an Attraktivität, nicht zuletzt liegt dies an den großen Ketten, die diesem direkt die Kunden wegschnappen, an der Flucht der Kunden in die Stadt, zum „Einkaufserlebnis“  und nicht zuletzt auch durch den Onlineversand, der mit seinen Steuereinnahmen für unsere Bundesrepublik auch in den meisten Fällen gar nichts erwirtschaftet, weil die entsprechenden Händler oder Versandunternehmen im Ausland sitzen.
Wichtig wäre es also, den Einzelhandel in Stolberg wieder attraktiver für Kaufleute zu machen und durch ein gesteigertes Angebot  mehr „Bummler“ in die Stadt zu locken. Das Burg Center ist sicher ein guter Anfang hierfür, aber es bedarf weiterer Konzepte, die das Einkaufserlebnis fördern, gleichzeitig aber auch die Konkurrenz des Versandhandels, zumindest in Stolberg unkenntlich machen.
So wäre es denkbar, dass Stolberger Kaufleute, und auch nur diese, in eine Gemeinschaft eintreten, die deren Interessen vertritt sowie diese bewirbt. Zentral bei dem Angebot der Interessengemeinschaft wäre aber eine Internetseite, welche es dem Stolberger erlaubt, das Angebot aller, in dieser Gemeinschaft registrierten Geschäfte und deren Angebot online ab zu rufen und sich entsprechende Ware, auch z.B. durch das attraktive Bezahlsystem PayPal, durch einen, bei der Gemeinschaft der Stolberger Einzelhändler angestellten Fahrdienst, nach Hause liefern zu lassen. Der Vorteil vom Onlineversand und der neue Trend des Einkaufens wird somit unterstützt, gleichzeitig bleiben Stolberger Einzelhändler Konkurrenzfähig und man wird sogar in die Lage versetzt, trotz Online Versand, die regionaler Wirtschaft zu unterstützen. Darüber hinaus erhält man die Ware ja sogar noch am selben Tag. Kosten entstehen hier bei der Eintragung des Vereins bzw. der Gemeinschaft, des Weiteren für einen festangestellten Zulieferer, der allerdings von dem Dachverband des Vereines getragen würde und auf etlichen Schultern von Stolberger Einzelhändlern somit keine erwähnenswerte Ausgabe im Vergleich zum Nutzenfaktor darstellt und schließlich muss eine Internetseite programmiert werden. Diese könnte allerdings auch für Studenten aus Aachen ein interessantes Projekt darstellen.
Durch diese Gemeinschaft für den Stolberger Einzelhandel werden auch Stolberger Ladenlokale für den Einzelhandel wieder attraktiver. Wenn man nun entsprechende Gewerbeeinheiten in Stolberg mit der Mitgliedschaft in diesem Verein verbindet, so lange der entsprechende Einzelhandel nicht einer Kette angehört, kann der fundamental steigende Umsatz und die Konkurrenzfähigkeit mit den Onlineriesen, auch z.B. den unteren Teil des Steinwegs attraktiver machen, ggf. wieder beleben und ermöglicht somit vielleicht auf bald schon eine weitere oben angeführte Dimension, das „Einkaufserlebnis“.

 

Maximilian Möhring (Bildungsbeauftragter, Piratenpartei Stolberg)

Rücktritt Rüttgers

Pressemeldung PIRATEN/UFW im Städteregionstag Aachen zum Wechsel von Udo Rüttgers zur CDU

Udo Rüttgers hat am 11.12.2014, unmittelbar im Anschluss an die denkbar knappe (36/35) Verabschiedung des umstrittenen Doppelhaushalts des Städteregionstags, seinen Austritt aus der Piratenpartei und sein Ausscheiden aus der Fraktion PIRATEN/UFW in der StädteRegion Aachen erklärt. Den nicht informierten Mitgliedern und den Mitarbeitern des Städteregionstags, war bereits aufgefallen, dass Rüttgers vor der geheimen Wahl mit der Mehrheit von CDU/GRÜNE gestimmt hatte.

Er wechselt zur CDU in der StädteRegion Aachen, wobei er sein Mandat behält. Das hat für die Arbeit der Fraktion PIRATEN/UFW weitreichende Folgen:
Die Fraktion Piraten/UFW verliert den Fraktionsstatus. Damit hat sie nicht mehr das Recht, in den Ausschüssen der StädteRegion vertreten zu sein. Mit Auflösung der Fraktion verlieren darüber hinaus der Fraktionsgeschäftsführer und die Fraktionssekretärin ihre Anstellung.

Bis heute hat die Piratenpartei versucht, Udo Rüttgers davon zu überzeugen, den Wählerwillen zu respektieren und auf die selbstsüchtige Mitnahme der Mandate zu verzichten.
Am Montagmorgen gegen 6:30 Uhr hatte Rüttgers eingelenkt und zumindest einen Verzicht auf sein Mandat im Städteregionstag erklärt, weil er sich der Tragweite seines Entschlusses erst zu diesem Zeitpunkt bewusst geworden sei. Gegen 19:00 hat er dann diese Entscheidung widerrufen, weil er telefonisch bedroht worden sei. Die PIRATEN/UFW weisen die Unterstellung von Udo Rüttgers entschieden zurück, dass dieser Anruf aus ihren Reihen gekommen sein soll. Dazu bestand deshalb keinerlei Anlass, weil sie seit dem frühen Morgen über sein Einlenken informiert waren.

Das Treffen zwischen Udo Rüttgers, Helmut Etschenberg, Klaus Dieter Wolf und Axel Wirtz, gibt innerhalb der virtuellen Realität des Städteregionstags sicherlich eine Erklärung, warum Rüttgers sich so geäußert hat. Die PIRATEN/UFW haben nun als Gruppe 5 1/2 Jahre Zeit, diese Realität zu verstehen und angemessen zu reflektieren. Die PIRATEN/UFW sehen darin den Ausdruck einer Politik nach Gutsherrenart.

Da Rüttgers auch im Stolberger Rat ein Mandat errungen hat, verlieren die Piraten dort ihren Sitz im Stadtrat. Dafür verfügt die CDU fortan über die Mehrheit von 22 Sitzen. Die Notwendigkeit einer Koalition entfällt.

Die Städteregionstags-Mitglieder Bertram Eckert und Hans-Jürgen Fink äußern ihr Unverständnis über den Wechsel, zumal es zu keinem Zeitpunkt Meinungsverschiedenheiten mit Udo Rüttgers gab.

Die PIRATEN/UFW bedauern die Folgen für Wähler, Politik und Partei, die dieser Wechsel nach sich zieht.

Plädoyer für Seminarwochen an Schulen

Ich habe einen Punkt der Tagesordnung der StädteRegion Aachen aufgegriffen. Die Idee ist grundsätzlich auf Grund der verloren gegangenen Zeit der Schüler zur Identitätsbildung durch G8, bewusste Gruppenseminare, zur Stärkung einer Klassengemeinschaft und zur Unterstützung der Identitäsbildung eben aus dieser heraus, zu ermöglichen, um dem Wertepluralismus und der Perspektivlosigkeit der heutigen Zeit selbstbewusster, ja sich selbst bewusster, überhaupt begegnen zu können.
Ich würde mich freuen, wenn hier etwas auf Landesebene passiert.
Der Verlust der Zeit für die Entwicklung der eigenen Person ist sicherlich jedem im Zusammenhang mit G8 klar. Diese Inhalte der eigenen Person müssen, so lange es G8 gibt aber aufgearbeitet werden. Es muss den Schülern in einer Gesellschaft des Wertepluralismus eine Orientierung ermöglicht werden die die Entfaltung der eigenen Person ermöglicht, begünstigt und fördert.
Das diese Persönlichkeitsentwicklung besonders durch, durch Teamer geleitete Seminarwochen, wie sie während dem freiwilligen sozialen Jahr praktiziert werden, begünstigt werden, kann in einer Statistik der freiwilligen sozialen Dienste Aachen e.V. eingesehen werden und auf Wunsch von mir freigegeben werden. Diese Statistik ist allerdings nicht öffentlich und kann deshalb nur auf Nachfrage freigegeben werden.
Die Statistik zeig die Befragung von FSJlern aus den Jahren 11/12, sowie BFDlern aus den Jahren 13/14 jeweils im Vergleich. Die Antworten von FSJlern und BFDlern sind grundsätzlich nahezu analog, deshalb habe ich mich für den Zeitraum von 4 Jahren und dennoch beide freiwilligen Dienste entschieden, um möglichst breite Angaben über einen möglichst langen Zeitraum machen zu können. Die Entwicklung bzw. Auswirkung von G8 kann dort auch, vorallem mit Bezug auf die Freiwilligen Zahl für die Erhebung von letztem Jahr klar gesehen werden.
Meine Chefin vom FSD hat mir diese Statistik genau für diesen politischen Antrag überlassen, hat aber darum gebeten, diese Statistik nicht ohne weiteren Kontakt zu ihr, der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich bitte Euch also, diese nirgendwo hoch zu laden ohne vorherige Absprache.

Also meine genaue Idee bezieht sich auf Vorlage 0340 aus dem Schulausschuss der StädteRegion Aachen

Hier wird unter „2.1 Berufswahlvorbereitung“ festgestellt, dass 81% aller Schüler(auch aller Schulzweige) nach ihrem Abschluss wissen was Sie beruflich machen möchten. Diese Zahl ist aber zu relativieren, wenn man sie auf einzelne Schulzweige runterbricht und vorallem die Gymnasien genauer betrachtet. Dort wissen nämlich im Gegensatz zu 6% an der Hauptschule, ganze 30% nicht, was sie nach dem Abitur für eine berufliche Laufbahn einschlagen möchten. 60% aller Schüler und damit eine erheblich große Zahl fühlt sich dennoch schlecht informiert. In den späteren Abschnitten wird dann noch festgestellt, dass es an fast jeder Schule, zumindest bei 94% der Schüler berufsorientierende Maßnahmen geben würde, 3% der Schülerschaft sieht hier sogar ein Überangebot.

62% der Schüler hatten sogar ein persönliches Beratungsgespräch, dass wiederum aber 34% der Schüler als nicht hilfreich eingestuft haben.

Der Unterricht am Gymnasium ist ohnehin bedingt durch unsere Leistungsgesellschaft, die in erster Linie neue „Bildungsmonster“ für die Wirtschaft und den nächsten internationalen Phallusvergleich PISA produzieren möchte, nicht mehr an der Herausbildung einer Persönlichkeit, dem Kennenlernen der eigenen Bedürfnisse und Interessen und dem Generieren von eigenem Wissen im Lebensnahen Kontext konzentriert, sondern alleine auf das vollstopfen und auswendig Lernen mit und von vorgefertigtem Wissen und Inhalten, welches im Lebenszusammenhang für die Schüler abstrakt ist und für welches diese noch nicht einmal ein persönliches Interesse entwickeln konnten, weil eine freie Auseinandersetzung mit persönlichen Interessen im Tagesablauf eines G8 Schülers nicht mehr vorgesehen ist. Diese besuchen bis 16 Uhr die Schule und müssen anschließend noch Hausaufgaben erledigen. Es werden Schüler produziert, die einem entsprechenden Ideal entsprechen, entsprechende Inhalte kennen, keine reflexiven, individuellen Persönlichkeiten, die bei ihrer Selbstfindung und Selbstbildung durch einen Lernhelfer begleitet werden.

Wenn 62% der Schüler ein persönliches Beratungsgespräch, bei dem Beratungslehrer, der extra auf persönliche Interessen des Schülers eingeht, nicht hilfreich fanden und weitere 94% zwar eine berufsorientierende Veranstaltung besucht haben, 60% diese aber nicht hilfreich fanden, scheint es nicht an berufsorientierenden Maßnahmen zu fehlen, sondern an persönlichkeitsbildenden Maßnahmen. Denn die einzige Erklärung, für eine fehlende Berufsorientierung, nach einem persönlichen Beratungsgespräch und einer entsprechenden berufsorientierenden Maßnahme, kann sein, das die Schüler nicht ausreichend ihre eigene Persönlichkeit herausbilden konnten, sich selbst entfalten bzw. kennenlernen konnten, um ihre persönlichen Interessen und Rahmenbedingungen für eine Berufsorientierung einschätzen zu können.
Es gilt also Maßnahmen zu treffen, Schüler mehr Freiraum in ihrer Freizeitgestaltung zu ermöglichen, nach Möglichkeit sogar in der Lern- und Unterrichtsgestaltung, sowie diesen das herausbilden bzw. entfalten ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst zu ermöglichen und diese dabei zu unterstützen. Denn das ist was Bildung schließlich ausmacht, eine aus“gebildete“ Persönlichkeit, die Dinge aus eigener Motivation tut und nicht aus Angst vor bzw. Delegation durch Autorität.

In der statistischen Erhebung der Schulabgängerbefragung, wird auch festgestellt, das die Gymnasiasten, die zu 30% keine berufsorientierung nach Abschluss haben, danach noch ein freiwilliges soziales Jahr, Bundesfreiwilligen Dienst oder Auslandsaufenthalt anschließen, um sich zu orientieren, um frei von den bisherigen Pflichten zu sein, Möglichkeit zu haben, sich selbst kennen zu lernen.

Das besondere am Angebot des Bundesfreiwilligen Dienstes und des freiwilligen sozialen Jahrs sind die “ 25 Bildungstage“, die fern ab von der standartisierten schulischen Lehrpraxis, angeleitet durch „Teamer“, in 5 Kurswochen aufgeteilt, eine besondere Entfaltung und ein besonderes Kennenlernen der eigenen Person, sowie selbstreflexivität durch die Identifikation mit einer Gruppe ermöglichen.

Einschlägige anonyme Statistiken, die zu Ende des Jahres der freiwilligen Dienste erhoben werden, belegen, dass diese die Zeit besonders nutzen konnten um ihre Persönlichkeit aus zu bilden und dadurch für sich selbst, unabhängig von einer speziellen Einheit dazu auf den Kurswochen, eine detailiertere Berufsorientierung auf Grund ihrer nun weiter ausgeprägten bzw. bewusst gewordenen Interessen formulieren konnten.

Ich halte es deshalb für sinnvoll, die in Vorlage 0380, nun weiter finanzierten, dennoch in ihrer Tätigkeit nicht ausgelasteten Schulsozialarbeiter, nicht nur in ihrer dauerhaften Beschäftigung zu versichern, sondern diese auch mit dem Konzept von Teaming und den Kurswochen des FSJs bzw. BFDs mit einzelnen Schulklassen in regelmäßigen Abständen ab der 8. Klasse, wo der Druck zunimmt, auf Kurswoche zu entsenden, um dem Schüler, als Opfer von G8 und im mangelndem Raum für Persönlichkeitsentwicklung, so durch ein Konzept fern ab von Schule, über Jahre hinweg in seiner Persönlichkeitsfindung/-entwicklung und schließlich damit auch Berufsorientierung über die Identifikation mit der Gruppe und somit auch Stärkung der Klassengemeinschaft und Bildungsmotivation zu begleiten.

Schließlich werden die Schüler die berufsorientierenden Maßnahmen und persönlichen Gespräche besser nutzen können, weil sie sich über eigene Interessen bewusst sind.

Dies würde finanziell kaum Mehraufwand betreiben, da die Sozialarbeiter ohnehin beschäftigt werden, es müsste nur eine mögliche Bezuschussung der Fahrt durch die einzelnen Eltern festgelegt werden, um die Unterkunft zu finanzieren.

 
Das Land NRW könnte mit dem Persönlichkeitsbildenden Ausgleichskonzept zu G8 ein Vorreiter und Vorbild sein. Der Erfolg dessen sollte langfristig evaluiert und beobachtet werden.

Schluss mit „Bildung To-Go!“ – Zurück zu G9!

Die Thematik G9 bzw. G8 ist momentan in aller Munde. Im Rahmen unseres Parteiprogramms und unserer Ideologie von Erziehung, sprechen  wir uns eindeutig gegen diese feste Jahreseinteilung aus. Es geht uns darum, Schüler/innen[1] individuell so weit und so intensiv zu fördern, wie dies für den entsprechenden Schüler notwendig bzw. möglich ist. Dies ist in einem Rahmen von festen Schulklassen kaum möglich.

Wir gehen davon aus, dass in jedem Mensch eine Persönlichkeit steckt, die vollkommen individuell ist und die durch Auseinandersetzungen mit der Umwelt und „Begegnungsmomente“[2] mit der Umwelt entfaltet werden kann, wenn der Schüler Teile der eigenen, in ihm angelegten Persönlichkeit, der eigenen Interessen, in dieser Umwelt entdeckt, ihnen „begegnet“[3]. Dies ist dem Schüler nur durch eine entsprechend Lebensnahe Unterrichtspraxis und durch das Wiedererkennen der eigenen Interessen in dieser möglich. Deshalb darf in einer Reform des Schulsystems nicht weiterhin von Inhaltsvermittlung ausgegangen werden. Es ist essentiell, dass Schüler das Wissen selbst generieren, es nicht auswendig lernen, sondern die  Inhalte selbst entwickeln, erarbeiten und somit ein tiefes Verständnis für die Thematik, statt nur eine vorrübergehende, auswendiggelernte, nicht nachhaltige Erinnerung entwickeln.

Wir sehen den Sinn der Schule also nicht darin, „Bildungsmonster“ zu produzieren, die beim internationalen „Phallusvergleich“ PISA einen der besten Plätze erreichen und somit den Ruf unseres Bildungssystem verbessern und besseres Fachpersonal für die Lobbys ermöglichen, sondern in der Persönlichkeitsentwicklung, die übrigens sogar erhebliche Steigerung in der Bildungsqualität mit sich bringt, weil der Schüler Inhalte auf sich, seine Persönlichkeit, Identität beziehen kann und somit den direkten Bezug und ein persönliches Interesse entwickelt. Er ist nicht mehr genötigt realitätsferne Inhalte ohne Bezug auswendig zu lernen, sondern wendet diese direkt auf das eigene Leben und die eigenen Interessen an.

Ein Schulsystem, welches diesem Ideal folgt besteht somit nicht aus einzelnen Klassen, sondern aus „Modulen“. Dies entspricht in etwa dem Modell eines Studiums. Verschiedene Schüler haben verschiedene Stärken, Schwächen und Interessen, die  teilweise schon bekannt, somit „entfaltet“ sind und teilweise noch entfaltet werden müssen. Deshalb ist es in jedem Fall essentiell jedem Schüler einen breiten Überblick über verschiedene Fachbereiche und die unterschiedlichsten Fächer zu geben. So erhält der Schüler auch eine breit gefächerte Allgemeinbildung. Im Laufe der Schulzeit entdeckt der Schüler bereits einige seiner Interessen, Fähigkeiten und Defizite und soll hier die Möglichkeit erhalten, sich noch fachbezogener als bisher auf seine Interessensbereiche zu spezialisieren. So kann er sein Interesse und seine Fähigkeiten in diesen Bereichen viel intensiver erweitern und sich ggf. auf ein Studium oder eine Ausbildung in diesem Bereich vorbereiten.
Module sind in diesem System einzelne Fächer, einmal im elementar- und im fortgeschrittenen Bereich, sowie später auch Differenzierungsmodule für die Individuellen Persönlichkeiten der Schüler. Die Schüler erhalten ähnlich einem Studium die Möglichkeit, verschiedene Kurse zu wählen und diese mit einer entsprechenden Leistung ab zu leisten. Dadurch kann sich der Schüler individuell entscheiden, welches Modul und welche Thematik er wann und wie bearbeitet. Er kann sich nicht nur besser in seinen eigenen Interessen spezialisieren und seine Bildung selbst gestalten, sondern kann sich darüber hinaus auch vielmehr mit dieser selbst gestalteten Bildung identifizieren. Des Weiteren lernt er auch, sich selbst zu organisieren.
Besonders vorteilhaft ist hier ran aber, dass es keine feste  Zeit gibt, die dem Schüler einräumt, ob er nun in 8 oder in 9 Jahren das Gymnasium abschließt. Es gibt keine Versetzung in weitere Klassen, sondern nur ein erfolgreiches Abschließen einzelner Module. So kann der Schüler in dem einen Schuljahr z.B. aus dem mathematischen Modul1 und dem philosophischen Modul einzelne Kurse belegen. Schließt er nur einen dieser Kurse erfolgreich ab, muss er die anderen Kurse nochmal wiederholen, bis er sie abgeschlossen hat, er muss aber nicht Inhalte wiederholen, die er bereits kennt und auch erfolgreich abgeschlossen hat, nur weil er „sitzen geblieben“ ist, durch die mangelhafte Leistung in nur einem Fach. Es entsteht somit die Möglichkeit für den Schüler in Bereichen die ihm liegen, permanent eine Weiterentwicklung, statt einer Stagnation zu vollziehen und nicht durch einzelne defizitäre Bereiche, komplette Schuljahre und all deren Inhalte sinnloser Weise zu wiederholen und Entwicklung in den persönlichen Interessenbereichen während dieser Zeit zu stagnieren.
Anderenfalls sinkt die Motivation des Schülers enorm, da er in dem Wiederholten, bereits bekannten Inhalt der Fächer, in denen er erfolgreich war, kaum einen Sinn erkennt und somit auch hier die Mitarbeit sinkt und allgemein die Leistung des Schülers durch ein destruktives, Demotivations-System abgebaut wird.
Das Bildungssystem soll individueller werden, individuelle Entwicklung fördern, es geht nicht mehr darum nach 8 bzw. 9 Jahren einen Schüler als „Produkt“ mit gewisser Qualität produziert zu haben, sondern diesen individuell in seiner Entwicklung zu begleiten und zu seiner Persönlichkeit zu führen. Ich selbst habe das Konzept der Inklusion und eines eingliedrigen Schulsystems lange Zeit sehr kritisch gesehen, weil ich der Meinung war, Schüler könnten hier schlecht individuell gefördert werden, wenn wenig Fachkräfte und viele unterschiedliche Leistungsniveaus aufeinander treffen. In dem von mir vorgestellten Konzept zur Schulreform bzgl. der Einteilung in Module lässt dies allerdings keine Schwierigkeit mehr entstehen. Wenn einzelne Fächer in Module geändert werden und diese Fächermodule mit entsprechenden Schwierigkeiten versehen werden, dann kann der Basiskurs in Mathematik(Schwierigkeit 3) von allen Schülern besucht werden. Zum Hauptschulabschluss ist es dann z.B. nur notwendig 10 Module auf Schwierigkeitsgrad3 ab zuschließen oder alternativ etwas weniger und dafür in dem ein oder anderen Modul eine höhere Schwierigkeitsstufe. Der Realschulabschluss bedarf in diesem Konzept wiederum eines höheren erfüllten Schwierigkeitsgrades und mehrerer Module. Genauso gestaltet sich wieder die Steigerung zum Abitur. So kann jeder Schüler Module in den Fächern belegen, die seinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Jeder Schüler muss für jeden Abschluss natürlich ein grundsätzliches Allgemeinwissen mitbringen und aus jedem Modulbereich etwas absolviert haben, er kann sich aber so viel besser spezialisieren und seinen eigenen Interessen nachkommen. Gleichzeitig ist kein Schüler, der aus einem Bildungsfernen Milieu kommt auf eine Schulform abgeschoben, sondern hat ohne weitere Schwierigkeiten bei entsprechenden Fähigkeiten oder entsprechendem Interesse die Möglichkeit, sich in Fachrichtungen die ihn interessieren weiter zu bilden und durch entsprechende Leistung und Sammeln von Punkten auch so sein Abitur zu erreichen. Gleichzeitig ist dieses Konzept aber auch kein Nachteil für Leistungsstärkere Schüler, sondern auch für diese, ein Vorteil. Denn es wird nicht dazu kommen, dass Schüler in ihrem Kurs sitzen, die an der Thematik kein Interesse haben oder denen entsprechendes Fachwissen fehlt und die somit den Leistungs- und Entwicklungsprozess des Kurses aufhalten. Denn erst der Abschluss von z.B. dem Fachmodul Mathematik 1 Schwierigkeit 3 ermöglicht das Wählen des Modules Mathematik 1 Schwierigkeit 2. So ist es notwendig, die einzelnen Schwierigkeitsstufen erfolgreich zu absolvieren, um schließlich die nächste Schwierigkeitsstufe zu belegen. Schüler jeder Schulform können somit frei nach ihren Interessen Fächer wählen und sich entsprechend ihrer Interessen darin bilden. Kein Schüler wird dabei in seiner Entwicklung durch unterschiedliche Leistungsniveaus gebremst, da die höheren Module erst durch den Abschluss der niedrigeren belegt werden können. So ist es z.B. auch möglich, dass ein Hauptschüler ein Talent im Bereich Biologie aufweist und hier sogar bis zum „LK-Niveau“, des Schwierigkeitsgerades 0 seine Module abschließt, in anderen Fächern aber weniger erfolgreich ist. Hierfür erhält er aber vollkommene Legitimität und durch Vorweisen von seinem „Basiswissen“ in allen Fächern sowie durch z.B. die intensivere Leistung in dem Fach Biologie kann er auch einen entsprechend höheren Bildungsabschluss erreichen.
Der Schüler entwickelt sich in dem möglichen Schulsystem, mit und durch seine Kurse, und durch die dadurch entstehenden, selbst eingeteilten Aktivitäten am Nachmittag. Der Schüler hat also alle Zeit für seine Persönlichkeitsentwicklung und Fähigkeitsentfaltung, er wird nicht mit Aufgaben vollgestopft oder bekommt jegliche Zeit am Nachmittag bereits gestaltet und vorgegeben, so dass kaum Zeit für eine individuelle Persönlichkeitsentfaltung bleibt. Die Schüler haben keine Möglichkeit im G8 System, ihre Identität zu entwickeln, sich selbst kennen zu lernen, gar auf Grund einer solchen Basis potent Pläne für die Zukunft zu schmieden, die eine Grundlage sein müssen, wenn Schüler die Schule abschließen, vor allem wenn diese die  Schulzeit früher abschließen sollen, „damit sie dem Arbeitsmarkt zeitiger zur Verfügung stehen“ oder im internationalen Vergleich nicht die ältesten Schulabgänger sind.

Bei vielen Familien in der heutigen Zeit, ist der Aspekt der Arbeit und Unabhängigkeit beider Elternteile  fundamental und wichtiger denn je. Deshalb darf dennoch die Entscheidung zum Bildungsweg des Schülers nicht durch die Attraktivität der Beschäftigung und Betreuung der Schüler am Nachmittag geleitet werden. Schließlich geht es hier nicht darum, welche Entscheidung praktischer ist, sondern welche der Entwicklung des Schülers zuträglich ist. Damit auch ein solches Argument nicht nachhaltig bestehen kann und auch die Bildungschancen unabhängig vom Herkunftsmilieu des Schülers angeglichen werden und jeder Schüler die gleiche Möglichkeit zur Bildung erhält, möchten wir auf die Generation 60+ setzen. Generationsübergreifende, kostenlose Nachmittagsaktivitäten, die in unterschiedlicher Form der Persönlichkeitsentfaltung dienen. So kann es hier nicht nur kostenlose Nachhilfe geben, sondern auch sportliche oder auch andere Aktivitäten, so dass die Schüler den Nachmittag bei Bedarf oder Interesse nach persönlichem Befinden gestalten können und auch die ältere Generation hier eine tragende Rolle übernimmt. Denn bei der Kulturerhaltung- und Weitergabe ist es doch immer die ältere Generation, die entscheiden kann, welche der kulturellen und traditionellen Elemente unserer Gesellschaft an die jüngere Generation weitergegeben werden soll bzw. kann.

 

Deshalb fordern wir als Piratenpartei grundsätzlich eine Reform des Schulsystems, die für den Schüler als Menschen mehr Platz hat und ihm Zeit zur Persönlichkeitsentfaltung einräumt. Es ist vollkommen irrelevant, ob wir im Internationalen Vergleich hierbei die ältesten Schulabgänger haben. Relevant ist in diesem Fall, dass wir von mündigen Schülern und Bürgern sprechen können.[4] Von Schülern, die sich mehr über ihre Identität klar sind, als alle andern und somit ein Lebenskonzept verfolgen können, welches sie wirklich erfüllt und glücklich macht. Wir wollen keine gehorsamen „JA-Sager“ und „Bildungsmonster“, sondern Menschen mit einer eigenen Meinung und mit dem Interesse diese zu vertreten.[5]
Genau deshalb sprechen wir, als Piratenpartei Stolberg, uns dafür aus, bis eine solche Bildungsreform möglich ist, die Entwicklungszeit der Schüler in unserer Ortschaft möglichst lang und intensiv zu gestalten. Wir möchten weg von einer „Bildung-To-Go“, die nicht nachhaltig und auch nicht sinnvoll für den Schüler und seine Persönlichkeitsentfaltung ist. Auch wenn eine grundsätzliche Reform dieses Systems Ländersache ist, möchten wir dem G9-Zweig und Schulen, die diesen anbieten, für diesen Bereich, besondere Förderung ermöglichen, denn der Entwicklungsgrad der dem Schüler in dem letzten Schuljahr ermöglicht wird, ist aus Sicht vieler Lehrer essentiell und gerade auch im Kontext der Gruppe der Schulklasse mit entscheidend für die Entwicklung des Schülers. Die Inhalte die sich außerdem im Rahmen vom G8 Abitur auf den Nachmittag verlagern und das fehlende Jahr kompensieren sollen, werden somit durch wichtige Persönlichkeitsentwicklung in der Freizeit ersetzt und erhalten durch mögliche Generationsarbeit einen verbindenden Charakter, der vielleicht auch ein tieferes Verständnis für die jeweils andere Generation ermöglicht und ein gewisses Bedürfnis und Verständnis für Kultur und Tradition aufleben lassen könnte.

[1] Im Folgenden werde ich die männliche Form „Schüler“ benutzen,  beziehe mich hierbei aber auf alle Gender
[2] Vgl. Möhring, Maximilian (2013): Der Begegnungsbegriff nach Bollnow im reformpädagogischen Konzept der Freinetschule, Grin Verlag GmbH
-Der „Begegnungsbegriff“ nach Bollnow und das zu Grunde liegende Konzept zu einer Reform der Schule kann detailliert in dieser Arbeit nachgelesen werden. Das Konzept der einzelnen Module wird dort nicht aufgegriffen, die Rahmenidee der Freinetschule lässt sich hiermit jedoch sehr gut verknüpfen und verfolgt im Kern genau diese Idee von selbst- gestaltetem und generiertem Wissen.
[3] Ebd.

[4] Vgl. Adorno, Theodor W. (1971) Erziehung zur Mündigkeit, Suhrkamp Verlag
[5] Vgl. Möhring, Maximilian (2013) Adam und Eva vs. Höhlengleichnis: Ein Vergleich zwischen Bibel und Platon. Bleibt Bildung ein Erziehungsziel oder „Ist der Dumme am Ende glücklich“? , Grin Verlag GmbH
– Hier gehe ich auf die Frage genau ein, in wie weit bzw. warum Bildung überhaupt ein Erziehungsziel sein kann, wenn ein grundsätzliches Ziel des Menschen sein Zustand der Glückseligkeit ist.