Plädoyer für Seminarwochen an Schulen

Ich habe einen Punkt der Tagesordnung der StädteRegion Aachen aufgegriffen. Die Idee ist grundsätzlich auf Grund der verloren gegangenen Zeit der Schüler zur Identitätsbildung durch G8, bewusste Gruppenseminare, zur Stärkung einer Klassengemeinschaft und zur Unterstützung der Identitäsbildung eben aus dieser heraus, zu ermöglichen, um dem Wertepluralismus und der Perspektivlosigkeit der heutigen Zeit selbstbewusster, ja sich selbst bewusster, überhaupt begegnen zu können.
Ich würde mich freuen, wenn hier etwas auf Landesebene passiert.
Der Verlust der Zeit für die Entwicklung der eigenen Person ist sicherlich jedem im Zusammenhang mit G8 klar. Diese Inhalte der eigenen Person müssen, so lange es G8 gibt aber aufgearbeitet werden. Es muss den Schülern in einer Gesellschaft des Wertepluralismus eine Orientierung ermöglicht werden die die Entfaltung der eigenen Person ermöglicht, begünstigt und fördert.
Das diese Persönlichkeitsentwicklung besonders durch, durch Teamer geleitete Seminarwochen, wie sie während dem freiwilligen sozialen Jahr praktiziert werden, begünstigt werden, kann in einer Statistik der freiwilligen sozialen Dienste Aachen e.V. eingesehen werden und auf Wunsch von mir freigegeben werden. Diese Statistik ist allerdings nicht öffentlich und kann deshalb nur auf Nachfrage freigegeben werden.
Die Statistik zeig die Befragung von FSJlern aus den Jahren 11/12, sowie BFDlern aus den Jahren 13/14 jeweils im Vergleich. Die Antworten von FSJlern und BFDlern sind grundsätzlich nahezu analog, deshalb habe ich mich für den Zeitraum von 4 Jahren und dennoch beide freiwilligen Dienste entschieden, um möglichst breite Angaben über einen möglichst langen Zeitraum machen zu können. Die Entwicklung bzw. Auswirkung von G8 kann dort auch, vorallem mit Bezug auf die Freiwilligen Zahl für die Erhebung von letztem Jahr klar gesehen werden.
Meine Chefin vom FSD hat mir diese Statistik genau für diesen politischen Antrag überlassen, hat aber darum gebeten, diese Statistik nicht ohne weiteren Kontakt zu ihr, der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich bitte Euch also, diese nirgendwo hoch zu laden ohne vorherige Absprache.

Also meine genaue Idee bezieht sich auf Vorlage 0340 aus dem Schulausschuss der StädteRegion Aachen

Hier wird unter „2.1 Berufswahlvorbereitung“ festgestellt, dass 81% aller Schüler(auch aller Schulzweige) nach ihrem Abschluss wissen was Sie beruflich machen möchten. Diese Zahl ist aber zu relativieren, wenn man sie auf einzelne Schulzweige runterbricht und vorallem die Gymnasien genauer betrachtet. Dort wissen nämlich im Gegensatz zu 6% an der Hauptschule, ganze 30% nicht, was sie nach dem Abitur für eine berufliche Laufbahn einschlagen möchten. 60% aller Schüler und damit eine erheblich große Zahl fühlt sich dennoch schlecht informiert. In den späteren Abschnitten wird dann noch festgestellt, dass es an fast jeder Schule, zumindest bei 94% der Schüler berufsorientierende Maßnahmen geben würde, 3% der Schülerschaft sieht hier sogar ein Überangebot.

62% der Schüler hatten sogar ein persönliches Beratungsgespräch, dass wiederum aber 34% der Schüler als nicht hilfreich eingestuft haben.

Der Unterricht am Gymnasium ist ohnehin bedingt durch unsere Leistungsgesellschaft, die in erster Linie neue „Bildungsmonster“ für die Wirtschaft und den nächsten internationalen Phallusvergleich PISA produzieren möchte, nicht mehr an der Herausbildung einer Persönlichkeit, dem Kennenlernen der eigenen Bedürfnisse und Interessen und dem Generieren von eigenem Wissen im Lebensnahen Kontext konzentriert, sondern alleine auf das vollstopfen und auswendig Lernen mit und von vorgefertigtem Wissen und Inhalten, welches im Lebenszusammenhang für die Schüler abstrakt ist und für welches diese noch nicht einmal ein persönliches Interesse entwickeln konnten, weil eine freie Auseinandersetzung mit persönlichen Interessen im Tagesablauf eines G8 Schülers nicht mehr vorgesehen ist. Diese besuchen bis 16 Uhr die Schule und müssen anschließend noch Hausaufgaben erledigen. Es werden Schüler produziert, die einem entsprechenden Ideal entsprechen, entsprechende Inhalte kennen, keine reflexiven, individuellen Persönlichkeiten, die bei ihrer Selbstfindung und Selbstbildung durch einen Lernhelfer begleitet werden.

Wenn 62% der Schüler ein persönliches Beratungsgespräch, bei dem Beratungslehrer, der extra auf persönliche Interessen des Schülers eingeht, nicht hilfreich fanden und weitere 94% zwar eine berufsorientierende Veranstaltung besucht haben, 60% diese aber nicht hilfreich fanden, scheint es nicht an berufsorientierenden Maßnahmen zu fehlen, sondern an persönlichkeitsbildenden Maßnahmen. Denn die einzige Erklärung, für eine fehlende Berufsorientierung, nach einem persönlichen Beratungsgespräch und einer entsprechenden berufsorientierenden Maßnahme, kann sein, das die Schüler nicht ausreichend ihre eigene Persönlichkeit herausbilden konnten, sich selbst entfalten bzw. kennenlernen konnten, um ihre persönlichen Interessen und Rahmenbedingungen für eine Berufsorientierung einschätzen zu können.
Es gilt also Maßnahmen zu treffen, Schüler mehr Freiraum in ihrer Freizeitgestaltung zu ermöglichen, nach Möglichkeit sogar in der Lern- und Unterrichtsgestaltung, sowie diesen das herausbilden bzw. entfalten ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst zu ermöglichen und diese dabei zu unterstützen. Denn das ist was Bildung schließlich ausmacht, eine aus“gebildete“ Persönlichkeit, die Dinge aus eigener Motivation tut und nicht aus Angst vor bzw. Delegation durch Autorität.

In der statistischen Erhebung der Schulabgängerbefragung, wird auch festgestellt, das die Gymnasiasten, die zu 30% keine berufsorientierung nach Abschluss haben, danach noch ein freiwilliges soziales Jahr, Bundesfreiwilligen Dienst oder Auslandsaufenthalt anschließen, um sich zu orientieren, um frei von den bisherigen Pflichten zu sein, Möglichkeit zu haben, sich selbst kennen zu lernen.

Das besondere am Angebot des Bundesfreiwilligen Dienstes und des freiwilligen sozialen Jahrs sind die “ 25 Bildungstage“, die fern ab von der standartisierten schulischen Lehrpraxis, angeleitet durch „Teamer“, in 5 Kurswochen aufgeteilt, eine besondere Entfaltung und ein besonderes Kennenlernen der eigenen Person, sowie selbstreflexivität durch die Identifikation mit einer Gruppe ermöglichen.

Einschlägige anonyme Statistiken, die zu Ende des Jahres der freiwilligen Dienste erhoben werden, belegen, dass diese die Zeit besonders nutzen konnten um ihre Persönlichkeit aus zu bilden und dadurch für sich selbst, unabhängig von einer speziellen Einheit dazu auf den Kurswochen, eine detailiertere Berufsorientierung auf Grund ihrer nun weiter ausgeprägten bzw. bewusst gewordenen Interessen formulieren konnten.

Ich halte es deshalb für sinnvoll, die in Vorlage 0380, nun weiter finanzierten, dennoch in ihrer Tätigkeit nicht ausgelasteten Schulsozialarbeiter, nicht nur in ihrer dauerhaften Beschäftigung zu versichern, sondern diese auch mit dem Konzept von Teaming und den Kurswochen des FSJs bzw. BFDs mit einzelnen Schulklassen in regelmäßigen Abständen ab der 8. Klasse, wo der Druck zunimmt, auf Kurswoche zu entsenden, um dem Schüler, als Opfer von G8 und im mangelndem Raum für Persönlichkeitsentwicklung, so durch ein Konzept fern ab von Schule, über Jahre hinweg in seiner Persönlichkeitsfindung/-entwicklung und schließlich damit auch Berufsorientierung über die Identifikation mit der Gruppe und somit auch Stärkung der Klassengemeinschaft und Bildungsmotivation zu begleiten.

Schließlich werden die Schüler die berufsorientierenden Maßnahmen und persönlichen Gespräche besser nutzen können, weil sie sich über eigene Interessen bewusst sind.

Dies würde finanziell kaum Mehraufwand betreiben, da die Sozialarbeiter ohnehin beschäftigt werden, es müsste nur eine mögliche Bezuschussung der Fahrt durch die einzelnen Eltern festgelegt werden, um die Unterkunft zu finanzieren.

 
Das Land NRW könnte mit dem Persönlichkeitsbildenden Ausgleichskonzept zu G8 ein Vorreiter und Vorbild sein. Der Erfolg dessen sollte langfristig evaluiert und beobachtet werden.

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